Aemera – der erste Funken

Button AemeraIn „Aemera“ geht es ja darum, dass ein Funken reicht, um zum kompletten Umsturz zu führen. Ich begleite vier Personen und ihr Umfeld in diesen gewalttätigen Umwälzungen und verfolge durch diese vier Perspektivträger die Revolution, das Blutvergießen und den Versuch einer Neuordnung. Doch es kommt auch zu Machtkämpfen, Intrigen und Interessenskonflikten zwischen denen, die eigentlich Verbündete sein sollten.

Aber hier und jetzt soll es um die übliche Frage gehen: Woher kommen eigentlich Ideen? Woher nimmt ein Autor die Grundlagen für einen Roman oder eine Kurzgeschichte? Keine Denkkappe nötig, Inspirationen umgeben uns, und manchmal macht es einfach Klick.

Autorenkollege Christian Boochs war es in diesem Fall, der mich direkt fragte, wie ich auf „Aemera“, das Setting, den Steampunk-Hintergrund gekommen bin. Da setzte ich mich wirklich hin und spürte bewusst den einzelnen Funken nach. Interessant, das mal von dieser Seite aufzurollen, finde ich.

Begonnen hat „Aemera“ als Idee in meinem Kopf ganz harmlos mit einem schüchternen Gespenst.

Basis ist das, was ich dreimal in der Schule hatte und vor gar nicht allzu langer Zeit mit meinen Nachbarskindern für die Schule paukte: Die Rede ist natürlich von der Französischen Revolution. Ludwig XVI., Robespierre, Marat, Guillotine, Menschenrechte und „Die Revolution frisst ihre Kinder“ inklusive. Dazu kam für mich die BBC2-Miniserie „Filthy Cities“ mit einer Gestanksaufnahme des revolutionären Paris. Plätze, die in Blut schwammen, Leichenberge, derer man kaum Herr wurde.

Doch die Funkengalerie endet nicht mit dem Tod von Ludwig XVI. und seiner Gattin Marie-Antoinette. Ich stolperte über eine WDR-Dokumentation über die sogenannte Dunkelgräfin, eine Frau, die verschleiert und zurückgezogen lebte und angeblich Madame Royale wäre, also die Tochter des hingerichteten Königspaars, die eigentlich an den österreichischen Hof ihrer Großmutter zurückgeschickt worden war. Laut den Verschwörungstheorien war sie aber psychisch zu sehr angeschlagen, als dass man dieses Nervenbündel der Familie hätte antun können. Also wurde sie gegen eine Dienerin vertauscht, die an ihrer Stelle die hohe Dame geben durfte, während sie selbst als Dunkelgräfin ihr Dasein fristete und vor der Welt beschützt wurde. Klarer Fall von á propos: Anastasia. Ja, die Romanovs mischten bei meiner Ideenfindung dann auch noch mit rein.

Dann krümelten langsam Details des Settings, meiner Welt in die Planung. Das Wunderwort Steampunk tauchte auf und wurde erst einmal beiseite geschubst. Zwar habe ich mit Brüderchen an meiner Seite jemanden, der mir begeistert auch das siebte Mal die Innereien einer Dampflok erklärt und mich in Büchern ersticken kann, die eben die technischen Errungenschaften der Industriellen Revolution behandeln, aber … Steampunk? Mir fielen nur Klischees ein: Junge Damen in Lederkorsage, mit Zylinder auf dem Kopf und Schweißerbrille am Gürtel. Und etwa zwanzig Pfund Zahnrädchen in der Hosentasche.

Doch ganz ließ mich das Victorianische Zeitalter von Jack the Ripper, Isambard Kingdom Brunel (britischer Ingenieur und technischer Pionier: Great Eastern, Eisenbahnbrücken und Rundum-Genie), die Bilder rauchgeschwärzter Häuser, nebliger Nebengassen und ähnliches nicht los. Warum also nicht? Zum Inspirationswirrwarr kamen die beiden neueren Sherlock-Holmes-Filme mit Robert Downey jr., die ich irgendwann mal sah, hinzu. Selbst BBC-Serie Time Team und natürlich BBC-Horrible Histories sowie BBC-Victorian Farm steuerten Häppchen bei. Wie konnte ich da widerstehen? Ehrlich? Keine Chance!

Und so bekam „Aemera“ ein rauch- und dampfgeschwängertes Ambiente voller neuer Ingenieursleistungen, einer Hochbahn, einem Zeppelin-Flughafen (wobei das Wort Zeppelin natürlich nicht geht, ich weiß), einem rigiden Regime, Panzern (dampfbetrieben, niedlich) und einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen zumindest schon gleichberechtigt sind, wenngleich die Bevölkerung immer mehr ins Elend abrutscht und selbst jene mit Bildung und aus gutem Hause hungern und frieren.

Uff. Noch Fragen?

Aemera – Vater Otun

Button Aemera „Aemera“ hat schon über 80 Seiten, und nach einer Blitzrecherche via Brüderchen („Du, ich brauch sowas wie Haubitzen. Und die sollen Schrotartiges verschießen. Ich weiß, dass ich nicht Schrappnell schreiben darf, weil das nach Herrn Schrappnell heißt. Was ich sehr ungefällig von ihm finde.“) habe ich meine Verteidiger des Palasts unfair aufgerüstet und starte jetzt in die zweite Phase meiner Revolution. Und damit komme ich zu meiner zweitwichtigsten Nebenfigur nach General Kavion – der sich ja bekanntermaßen nicht daran halten will, nur eine Nebenfigur zu sein. Otun ist ihm da recht ähnlich, außerdem habe ich eine Schwäche für meinen Priester.

Vorhang auf für Vater Otun:

Otun gehört dem Orden der Mondgöttin an, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Technik – ich schreibe ja in einem Steampunk-Setting – zu erforschen, entwickeln und schlussendlich zum Wohle der Menschen zu nutzen. Otun ist sehr väterlich und freundlich und besitzt ein überraschend jungenhaftes Lächeln sowie eine unerschütterliche Auffassung seiner Pflichten gegenüber Göttin und vor allem den Menschen. Als Kavions Gesprächsversuch mit nur einem Kämmerer des Palasts scheitert, möchte Otun in seiner Rolle als Priester einen zweiten Versuch starten. Nicht ahnend, dass er sich harmlos und in schlichter schwarzer Kutte damit genau zwischen den Fronten platziert, da durch das verwaiste Tor eine weitere Gruppe sehr militanter Protestler auf den Palast zuströmt …

Aemera – General Kavion

Button AemeraDie Sonne scheint, Aemera schreibt sich langsam, aber vergnügt, und nun möchte ich in lockerer Reihe (also immer so, wie ich Lust und Laune habe), meine Figuren vorstellen. Ich fange mit General Kavion an, der mich heute damit überrascht hat, dass er eigentlich am liebsten die Hauptfigur sein möchte. Eigentlich sollte er die wichtigste Nebenfigur werden, aber so ein General kann sich schon mal selbstständig machen, scheint es mir. Das liegt bestimmt auch an dem tollen, optischen Vorbild, das ich für Kavion ausgewählt habe. Dass mir solche Hilfsmittel liegen, hab ich ja neulich schon erwähnt.

Vorhang auf für General Kavion:

Mein alter, kriegsversehrter General, der sich selbst aus dem Ruhestand zurückbeordert, als er die ersten Funken der Revolution bemerkt. Kavion will die Unruhen im Keim ersticken und vor allem den Missbrauch der Armee verhindern. Zeit seiner aktiven Karriere hat er sich vor allem um Frieden bemüht, und das versucht er nun auch weiterhin. Er ahnt nicht, dass er zur Leitfigur der Revolution erhoben wird, einfach nur weil er zuhört und die Nöte der Bevölkerung ernst nimmt. Auch in der Armee ist sein Nimbus noch lange nicht erloschen. Als er keinen anderen Weg mehr aus der Krise sieht, handelt er gewohnt entschlossen und versucht, beim König vorzusprechen, um diesen zu Hilfeleistungen für die leidende Bevölkerung zu überreden. Doch der König denkt gar nicht daran, auf einen alten General zu hören. Er befiehlt Kavions Nachfolger, den alten Mann zu verhaften und den Aufstand mit aller Härte zurückzuschlagen. Doch König und Ex-General haben die Rechnung ohne Volk und Armee gemacht …

Aemera – ein Motivationscover!

CampIch schreibe sehr gerne mit optischen Vorbildern, mit Fotos von den Niagarafällen (Wasserfälle kommen gerne öfter bei mir vor, und die Niagarafälle haben es schon dreimal in einen meiner Heroic-Romane geschafft), mit inspirierenden Bildern von Landschaften, Klippenstädten, Tempeln und auch von Waffen wie Kriegsaxt oder einem Helm. Mitunter sehen meine Ergebnisse dann ganz anders aus, aber das macht nichts. Von anderen AutorInnen weiß ich, daß bei ihnen ohne den richtigen Soundtrack zur Geschichte gar nichts geht. Ja, auch ich habe ein bevorzugtes Musikstück, das ich bei Kampfszenen gerne höre – aber bei allen.

Aber mit Aemera starte ich unter ganz besonderen Vorzeichen: Sylvia Ludwig – ihres Zeichens meiner Meinung nach ein Cover-Wunder – hat sich gestern an die Arbeit gemacht und mir ein Motivationscover für „Aemera“ gebastelt! Das habe ich jetzt als Bildschirmhintergrund eingerichtet und erwische mich immer wieder beim verliebten Grinsen, wenn ich das Cover ansehe.

Da ich nicht als völliger Egoist dastehen will, möchte ich das Cover nun stolz herumzeigen:

Bilddateien von pixabay.com

Bilddateien von pixabay.com

Camp NaNoWriMo April 2015

CampIn ein klein wenig weniger als drei Stunden startet das Camp NaNoWriMo in den April.

Das Camp versteht sich als Kleines Geschwisterchen des großen NaNoWriMos im November (wer mir länger folgt, weiß, dass ich da seit 2010 mitmache und meine Heroics schreibe, jedes Jahr einen! 2010: Arrion, 2011: Juran, 2012: Niro, 2013: Teiro und 2014: Shadac). Für alle anderen: NaNo ist der zelebrierte Schreibwahnsinn, der auf der offziellen Seite aber auch in Schreibforen gefeiert wird. Ziel ist es, binnen eines Monats 50.000 Wörter zu schreiben. Ich liefere zumeist die doppelte Wortzahl und mit bislang nur einer schmählichen Ausnahme einen kompletten Roman ab. Die Ausnahme war Niro, und fertig ist er trotzdem geworden. Im Camp kann der Schreibende sich sein Ziel selbst festlegen. Ich habe mir die 30.000 vorgenommen und hoffe, dass ich sie – auch weil das Camp nicht ganz so hoch hängt wie der echte NaNo – schaffen werde. Mein letztes Camp war 2011, und ich habe damals Roveon fertig geschrieben. Mal gucken, wie es dieses Jahr wird.

Ich gehe mit Aemera ins Schreibrennen. Kein Heroic (Schmachten & Schlachten), aber ein Roman, der mit meinem üblichen Genrecocktail trotzdem sehr interessant zu werden verspricht. Schlachten kann ich versprechen, Schmachten wird karger ausfallen. Dafür biete ich Steampunk, Intrigen, Mordanschläge und ein schüchternes Gespenst.

Nach der Revolte gegen das Königshaus und Teile des Adels versucht das Reich langsam wieder zur Ruhe zu kommen. Doch das klingt einfacher, als es sich herausstellt. Der Mönch Otun, der kriegsversehrte General Kavion, der junge Student Tyvan und Jasin, der Blinde, dem ein Gespenst hinterherschleicht, finden sich mitten in neuer Geschichte und unbekanntem Territorium wieder.