NaNoWriMo 2016: Tag 28

button-nano-16Es ist vollbracht, und am Ende merkte ich noch nicht einmal, dass es so kurz bevorstand. Ich brauchte ein wenig, um einzusehen, dass ich den großen Szenenkomplex, der vor der letzten Szene mit Frost steht, schlichtweg noch nicht schreiben kann und darf. Denn dieser Teil hätte aus der Perspektive von Crannoch oder Iren geschrieben werden müssen, meinem Hauptheldenpaar der Chronik. Das wollte ich zuerst nicht recht einsehen, dümpelte im Text herum, bis ich mir sagte, aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Die Chronik will ich so bald wie möglich komplett durchplanen und schreiben.

Vielleicht mache ich das wieder in Häppchenromanen wie jetzt mit „Frost“, was mir sehr viel Spaß gemacht hat, was mir auch gestattet, die Figuren ganz genau kennenzulernen, ihre persönliche Geschichte im großen Mahlstrom des Thronkrieges zu erkunden. Die Fennlandhexen, die Fürstin von Iver (ich weiß immer noch nicht, was aus ihrem Gatten geworden ist). Aber es wird leichter werden, all das zu schreiben, wenn ich den Rahmen etwas gründlicher abgesteckt habe. Dann brauche ich Irens Söhne auch nicht länger Krautsalat und Eiersalat und ihren Gatten nie wieder Gurkensalat nennen. Prägnante Platzhalter erleichtern später die Suche, ich weiß es wohl.

Die Geschichte des Elfenmagiers Frost, der mit Wölfen spricht und von einem sturen Gerechtigkeitssinn geleitet wird, ist zu Ende erzählt. Und das ist ein Grund zum Feiern.

60.119 Wörter, 255 Normseiten

„Bin so müde“, murmelte Frost an seiner Brust und klammerte sich an einen Lederriemen der Rüstung.

„Ich weiß, mein Geliebter. Und hier wartet ein Bett auf dich, wie es sonst nur Königen vorbehalten ist.“

„Wolf soll mit ins Bett“, kam ein kaum verständliches Brummeln.

„Ich habe keinen Einwand. Frost, lass mich los, ich lege dich jetzt ins Bett und ziehe dich aus.“

„Das macht dir Spaß.“

„Sehr“, gab Callaq zu. „Aber heute Nacht geht es mir wirklich nur darum, dich warm in Decken zu wickeln und an mich zu drücken.“

„Schön“, erklang es versonnen und mit leisem Schnurren in der tiefen Stimme, deren goldener Klang selbst diesen Saal ausleuchtete.

Callaq machte sich an die sehr angenehme Aufgabe, einen vor Erschöpfung sehr nachgiebigen und beinahe puppenhaft entspannten Elfen aus Stiefeln, dicken Socken, Hose, Jacke und Hemd zu schälen. Es verblüffte ihn wie jedes Mal, dass unter diesen derben Kleidungsschichten eine so biegsame, reizvolle Gestalt mit samtig schimmernder, sonnengebräunter Haut zutage kam. Frost schien schon halbwegs weggedämmert, als Callaq ihn in ein viel zu großes, aber sauberes Hemd verfrachtete, das aus seinen eigenen Beständen stammte. Dann löste er die Bänder, die den geflochtenen Zopf zusammenhielten, entwirrte die dicken blonden Strähnen liebevoll und beugte sich nieder, um einen Kuss auf Frosts Stirn zu drücken. Nur ein ganz leises, glückliches Geräusch quittierte diese Zärtlichkeit. Frost lächelte im Halbschlaf, und Callaq verfrachtete ihn sorgfältig unter die dicke Steppdecke.

NaNoWriMo 2016: Tag 20

nanowrimo_2016_webbanner_winnerMit einem Tag Verspätung, weil ich gestern von Bahnfahrt und Co (Buch Berlin, mehr dazu in Kürze) einfach zu platt war, um meinen Sieg gebührend zu feiern: Ich hab den NaNoWriMo 2016 gewonnen. „Frost“ hat 50.000 Wörter. Wieder einmal hab ich es geschafft und freu mich. Und schreibe weiter.

Ob ich „Frost“ diesen Monat fertigbekomme, weiß ich schlichtweg nicht, da der Roman ja ein Teilaspekt von „Lotrins Chronik ist“. Ich weiß, was mein hinreißender Elfenmagier bis zu seinem Romanende noch alles schaffen muss, aber ich habe keine Ahnung, wie viel das wirklich ist. Denn da ist zumindest noch ein Klotz Text, den ich im Rahmen der Chronik noch nicht geplottet habe, also noch nicht weiß, welches Heer von wo und warum kommen wird.  Also werde ich einiges an Geschichte überhüpfen und später schreiben, wenn ich mehr über die politischen Intrigen in Tas und den Nachbarreichen weiß (Was ist mit den Fennlandhexen? Ich hätte denen so gerne einen Auftritt in „Frost“ gegönnt! Und auf welcher Seite steht eigentlich die Fürstin von Iver? Und hat sie ihren Mann umgebracht? Wo ist Crannochs Schwester, deren Namen ich noch nicht einmal weiß?)

Nagut! Schreiben, was ich schreiben kann, NaNo-Schwung für den Rest des Novembers und so viel Roman mitnehmen, wie ich nur kann!

Schnipsel gefällig?

Wolf rief, und seine Artgenossen folgten diesem Ruf. Die fahlen Wölfe kehrten zur Siedlung zurück, verharrten in Sichtweite der Wehr, und Frost humpelte zu ihnen nach draußen, wobei er nicht einmal Callaq gestattete, ihn zu begleiten. Zumindest drohte dem Elfen da draußen jetzt keine Gefahr, und sobald das Rudel abgezogen war, hatte Callaq vor, Frost entgegenzurennen und ihm auf dem Rückweg behilflich zu sein.

Ledertaschen mit Berichten zur Lage brachte Frost zu den Raubtieren, und Callaq wusste, worum er sie bat: Bringt dies zu Elfen. Zu Priestern. Zu Magiern. Legt die Taschen vor Festungen und Städten ab. Bleibt außer Bogenreichweite, aber zeigt, was ihr da tut. Verbreitet die Nachricht.

Das Rudel mochte dreißig, vierzig Wölfe umfassen, und sie alle würden die Nachricht so weit wie möglich tragen, an andere Rudel übergeben, bis ganz Rakans erfuhr, wie die Lage stand, in welcher Gefahr der Prinz schwebte. Dann durften die Köpfe des Militärs sich Gedanken machen, die Grenze sichern, neue Heeresteile ausheben.

NaNoWriMo 2016: Tag 12

button-nano-16Ich behaupte jetzt einfach mal kühn, wenn ich im NaNo nicht zum Bloggen komme, ist das ein gutes Zeichen, bedeutet es doch, dass ich so im Schreibrausch bin, dass ich den Rest drumherum einfach vergesse.

Ja, ich weiß, war auch schon einmal anders. Aber dieses Mal stimmt es. „Frost“ hat mich im Griff, ich habe einen Heidenspaß beim Schreiben, Gänsehautaugenblicke, Lachanfälle über der Tastatur und Herzklopfen vor Aufregung inklusive. 31.000 Wörter sind geschrieben!

Und da ich nun schnell zurück an meinen Roman möchte, gibt es hier einen Schnipsel für die Neugierigen. Frost, der Elfenmagier und Priester der alten Götter, in voller Aktion!

Langsam erhob Frost sich, atmete einmal tief durch und griff nach dem Eis in seiner Seele. Ein Geschenk der Götter, wie Tilahn vor Jahrhunderten zu ihm gesagt hatte, an jenem Tag, da er Frost als seinen Schüler aufgenommen hatte.

Das Eis flog über die Köpfe zweier Frauen hinweg, die Kinder um sich scharten und sie in Sicherheit zu führen versuchten. Menschenkinder, Elfenkinder. Eines stolperte über einen Toten, weinte und schrie, wurde an der Hand weitergerissen, da das Eis die ersten Bogenschützen niederknüppelte, ihre Hände am Bogenholz festfrieren ließ, in ihre Atemwege strömte und Luftholen zu einem Ding der Vergangenheit machte. Adern platzten firngefüllt.

Frost stand im Mittelpunkt eines Schneesturms, der um sich schlug wie etwas Lebendiges, der nach Kehlen schnappte, Haut schwarz verfärbte, da sie unter dem Ansturm abstarb, Augen gefrieren ließ und immer wieder wie ein Hammer gegen Brustkörbe schlug, dass Rippen brachen und Lungen wie Grütze in sich zusammensanken.

Die Kälte in Frost ließ nach, doch noch immer warf er Eis, schlug Gegner mit Geschossen aus blauen Kristallen und Firn. Hitze nistete in seiner Magengrube, stieg mit jedem Eisschlag höher, füllte seine Lunge und schmerzte. Der Preis der Eismagie. Doch in den Reihen der Angreifer bildeten sich Lücken, durch die Beherzte flohen. Frauen mit fremden Kindern, Alte mit anderer Männer Ehefrauen, junge Männer, die Alte stützten und mit sich zogen.

Das Eis schlug blutende, klaffende Wunden, aber noch immer standen Männer aus Tas. Ihre Pfeile prallten am sich langsam drehenden Schneesturm ab, wurden in ihm gefangen und zermahlen. Doch auf Frosts Haut schmolzen die Schneeflocken, die ihn liebkosend berührten. Er konnte kaum noch atmen. Noch nie hatte er die Magie so weit und so lange ausgebeutet, und er wusste einfach nicht, was geschehen würde. Schwarze Flecken tanzten in seinem Gesichtsfeld, schienen am Rande zu glühen und dann zu Asche zu verbrennen. Dampf umhüllte ihn, nicht länger der frostige Nebel eines Wintermorgens, sondern von der Hitze zu Luft gekochter Schnee.

Oh, eins noch: Es ist ist frostig kalt in Schleswig-Holstein. Ich behaupte, Frost ist schuld!

NaNoWriMo 2016: Tag 3

button-nano-16Ich habe ganz verdutzt festgestellt, dass ich seit meiner ersten Ankündigung im September gar nichts mehr zum diesjährigen NaNo geschrieben habe. Böse Unterlassungssünde, zumal der NaNo mich jetzt natürlich schon felsenfest im Griff hat.

„Frost“ entpuppt sich immer mehr als der perfekte NaNo-Roman: Er will geschrieben werden, und ich will ihn schreiben. An posititven Emotionen hab ich schon alles einmal kosten dürfen. Ich hab versucht, weiterzuschreiben, während ich eigentlich lieber Fingernägel vor Spannung kauen wollte. Ich habe so sehr gelacht, daß ich tränenblind auf meinem Monitor kaum noch etwas entziffern konnte. Ich hatte wohliges Herzklopfen. Eine einzige Sorge blieb:

Frost ist ein ungewöhnlicher Held selbst für meine Verhältnisse. Er ist spröde, hat eine scharfe Zunge und schleppt so wundervoll viele Altlasten mit sich herum (Altlasten sind gut für den Autor, die Figur möchte den Autor wahrscheinlich deswegen erwürgen), dass er voller Ecken und Kanten ist. Aber wie kommt ein so störrischer, kalter Elf bei den Lesern an? Ich hätte mich nicht sorgen müssen. Meine Testleserinnen sind begeistert von Frost und seinen Dialogen mit Zweitheld Callaq, der von einem zum nächsten Augenblick nicht weiß, woran er mit dem Elfen ist. Armes Kerlchen. Wird er vielleicht noch lernen.

Button AugurenfluchSylvia von Cover für Dich hat mir für die Chronik eine wundervolle Karte gebastelt, die noch viele weiße Flecken aufweist, da ich sie erst beim Schreiben voll und ganz erkunden kann und werde. Damit bin ich nun fröhlich beschäftigt. Zwischendurch wie von der Tarantel gestochen aufspringen und Städte, Festungen, Landmarken beschriften! Das macht wirklich Spaß, und so wie der Roman lebendig wird, wird es nun auch die Karte.

GötterinselFennlandGillisTelloc

 

 

 

Ich tobe also weiter vergnügt durch Tiefschnee. Vielleicht gibt es sogar zwischendurch ein Schnipselchen zu lesen, mal gucken. Wer meinem Schreibwahnsinn folgen möchte: Oben rechts habe ich den NaNo-Counter eingebaut, und ich will öfter hier, auf Facebook und Twitter von meinem NaNo berichten!

Ein Highlight noch zum Ende. Sylvia hat wieder zugeschlagen. Dies ist mein persönliches Motivationscover für diesen NaNo. Danke!

Frost

 

NaNoWriMo 2016: Frost

Button AugurenfluchDie Entscheidung ist endlich gefallen. Aus einer Liste mit möglichen NaNo-Kandidaten trat endlich der Roman hervor, der mich im November an die Tastatur fesseln wird. Ich muss für meinen NaNo-Roman brennen, denn alleine er ist es, der mich durch die Wortzahlen zieht und mir am Ende stolz den Sieg ermöglicht.

Ich schreibe „Frost“, einen kleinen Teil von „Lotrins Chronik“, mit dem ich die Geschichte einer wichtigen Nebenfigur beleuchte. Da die Chronik ein mehrbändiges Einbrechererschlagwerkzeug werden wird, passt das wunderbar.

Frost (ich vermute, dass er sich diesen Namen selbst gab) ist ein stammesloser Elfenmagier. Er kann mit Wölfen sprechen und lebt ein Nomadendasein in der Wildnis des Nordreichs Rakans. Obendrein ist Frost einer der wenigen überlebenden Priester der alten Götter und den missionierenden Häschern aus Tas wohl einige Male nur haarscharf entronnen. Frost ist kalt und spröde, bis jemand sein Herz auftauen kann. Nur zu den Wölfen, die ihn freiwillig durch die tiefverschneite Wildnis begleiten, ist er stets freundlich. Und ich bin jetzt schon vernarrt in ihn.

Die Idee zu Frost kam durch meinen Chronisten Lotrin, der es mit der Wahrheit nicht immer 100% genau nimmt. Manchmal übertreibt er einfach nur ein bisschen, manchmal macht er sich ausgewachsener Geschichtsfälschung schuldig. Sein Satz soll lauten: „Elfen machen keine Gefangenen.“

Ob er sich da nun absichtlich geirrt hat oder nicht, Frost nimmt einen Gefangenen, nämlich den jungen, menschlichen Krieger Callaq, der als Einziger einer Patrouille aus Tas eine Elfenattacke in der Wildnis überlebt hat und von Frost aus dem Schnee gepflückt und zwecks Verhör zur Hauptstadt Rakans Hald geschleppt wird. Auf dieser Reise nimmt das Verhängnis nun seinen Lauf …

Meisterdiebe: Yoreq

Button MeisterdiebeYoreq – Inhaber vieler Talente und wunderschöner Elf, der mit einer Gaukler- und Bardentruppe durch das Land tingelt. Da Elfen eher unter sich bleiben und auf menschliche Gesellschaft verächtlich blicken, kann er den Bonus des Exotischen für sich verbuchen, wenn er zahlende Zuschauer mit Tanz und Jonglierkünsten unterhält. Und auch außerhalb der Vorführungen weiß er, seine Reize gewinnbringend einzusetzen.

Nebenbei steigt er in die Häuser der Reichen ein, um die ihm eigene Fähigkeit des spontanen Eigentumswechsel vorzunehmen. Anders als Sian verfolgt er dabei aber (auch) hehre Ziele, die er vor seinen Kumpanen der reisenden Schausteller geheim hält.

Meisterdiebe: Sian

Button MeisterdiebeSian – der Meisterdieb, der tatsächlich geweihter Priester ist, die Anrede Hochwürden genießt und diese Deckung gerne nutzt, um in Adelshäusern Kostbarkeiten zu erbeuten. Verblüffenderweise hat er eine gewisse Strenggläubigkeit, neigt aber dazu, die Gebote der Großen Göttin hin und wieder frei zu interpretieren, wobei er von der eigenen Aufrichtigkeit überzeugt ist.

Leider wurde er von der alten Königsmutter erwischt, die ihn nun gezielt als Waffe gegen politische Gegner ihres liebenswerten, aber ein wenig dummen Sohnes einsetzt. Sian spielt mit, da alles andere eine lästige Anstrengung bedeuten würde und weil er auch weiterhin privat Beute machen darf. Im Krisenfall, so hofft er, wird die alte Schachtel ihn bestimmt schützen.

Die Crux mit der weiblichen Hauptrolle

NotizenIch hatte ja schon das Thema „Wann ist ein Held ein Held?“ (und habe jetzt prompt wieder Grönemeyer im Ohr). Aber was für Helden gilt, gilt auch für Heldinnen, nur offenbar ist es da schlimmer. Eine weibliche Hauptfigur – gerade auch noch im Genre Romance – muss weiblich sein.

Was ist weiblich? Reichen Ovarien und Brüste dafür aus? Das doppelte X-Chromosom? Das Wahlrecht?

Ich kenne Frauen, die fahren einen Smart. Andere haben keinen Führerschein. Wieder andere sausen lieber mit einem Fahrrad durch die Gegend, fahren einen Transporter oder ein Schlachtschiff mit Stern.

Es gibt Frauen, die mögen kein Marzipan und finden Rosa scheußlich. Es gibt Frauen, die lieben Rosenkohl. Ich kenne Frauen, die sich vegan ernähren, vegetarisch, low-carb oder omnivor. Ich kenne Frauen, die gerne Kuchen backen, grillen oder ein Rezept nachkochen mit Zutaten, von denen ich noch nie gehört habe.

Ich kenne dicke, dünne, schlanke, barocke Frauen. Welche mit Naturkrause, Dauerwelle und lila gefärbtem Haar. Ich kenne Frauen mit Gelnägeln, welche mit ganz ratzekurzen Fingernägeln. Frauen, die niemals ohne Makeup aus dem Haus gehen würden und welche, die sich noch nie geschminkt haben. Frauen, die hohe Absätze lieben, Klorollenüberzüge für das Auto häkeln, weben, Socken stricken, nicht häkeln können, Zaunpfosten für eine Pferdeweide einschlagen, einen platten Reifen am Auto selbst wechseln können und welche, die Öl in das Kühlwasser kippen. Frauen mit Schuhgröße 36 und Frauen mit Schuhgröße 42.

Ich kenne Frauen, die nicht mit einem Smartphone umgehen können, die selbst ihre Lampen anbauen und Ikea-Regale besiegen. Es gibt Frauen, die Cola, Kaffee und/oder Tee trinken. Frauen, die wissen, wo ein Komma im Satz hinmuss. Frauen mit ordentlicher Handschrift und andere mit einer Sauklaue.

Ich kenne Frauen, die Angst vor Pferden haben. Frauen mit Zöpfen, mit kurzen Haaren, mit Rastalocken, mit Tätowierungen und rotem Nagellack. Ich kenne Frauen mit Heuschnupfen. Frauen, die glücklich Single sind, die für Mann und Kinder leben, die in komplizierten Partnerschaften stecken und lieben, leben, lachen. Es gibt Selbständige, Vollzeit-Hausfrauen, Vollzeit-Berufstätige und Teilzeitarbeitnehmerinnen.

Was ist weiblich?

Dürfen in Liebesromanen nur weiche, anschmiegsame Frauen mitspielen, die ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht äußern dürfen, weil der Love Interest so viel wichtiger ist als sie? Weil nur Testosteron nach Beischlaf verlangen darf? Dürfen weibliche Hauptfiguren handwerklich begabt sein? Nein, Sticken zählt jetzt nicht! Ist eine selbstbewusste Frau abartig und unromantisch? Fallen Liebesromanleserinnen in Ohnmacht, wenn die Heldin ihre Waschmaschine zerlegt, weil im Flusensieb eine halbe Socke liegt? Ist es unzumutbar, wenn die Heldin ihren Küchenboden selbst fliest? Darf eine Romanzenheldin eine eigene Meinung haben? Darf sie fluchen, sich schlagen und vor allem: Darf sie sich auch selbst retten? Oder muss sie tatsächlich schwächlich ausharren, bis der Held sie rettet? Muss sie wirklich stillschweigen, egal wie attraktiv sie ihren Love Interest findet, bis der den ersten Schritt macht? Darf sie Mensch mit Ecken, Kanten, Launen, Sehnsüchten, Abneigungen und mehr sein – oder ist sie ausschließlich dekoratives Beiwerk und Siegespfand des Helden?

Zum Ende noch ein Zitat aus Wikipedia:

Die längste Belagerung überstand die Festung im Jahr 1338. Agnes Randolph, 4. Countess of Moray (1312–1369), genannt Black Agnes, wehrte sich sechs Monate lang energisch gegen die von Eduard III. ausgesandte Armee der Engländer.

„Drei!“

ArrionDas nette „Drei!“ hat Insiderqualität, ich weiß. Wer sich während der Entstehungsphase von „Arrion“ irgendwie in Hörweite befunden hat, hat diesen Spruch (und die Vorerklärung dazu) bestimmt vier- oder fünfmal zu hören bekommen. Wenn ich schreibe, bin ich eine Quasselstrippe.

Nun passt das aber endlich mal, weil ich rund um die Veröffentlichung von „Arrion“ (übrigens, erwähnte ich schon, dass „Arrion“ veröffentlicht ist? Ja? Oh.) die ersten drei Highlights teilen möchte.

Tina Alba bombardierte mich mit Fragen rund um die Entstehung von „Arrion“, das Schreiben generell und mein geliebtes Genre „Schmachten & Schlachten“. HIER geht es zum Interview auf ihrem Blog.

Kaye Alden hat eine freundliche Empfehlung für „Arrion“ ausgesprochen. Und kommt zum selben Schluss wie ich, wie lange frau meinen Kobaltblauen außerhalb des Romans wohl erträgt. HIER geht es zu ihrem Blog.

Und da es langweilig wird, wenn nur dauernd ich über Arrion spreche (mir nicht, natürlich), wird beim Heldeninterview der Lesekatzen der Spieß freundlich einmal umgedreht. Arrion präsentiert sich von seiner besten Seite – was sehr viel über ihn aussagt. Und da ist auch das mit der „Drei!“ geklärt. Viel Spaß HIER bei den Lesekatzen.

Wann ist ein Held ein Held?

NotizenHelden unterscheiden sich je nach Genre. Was einen Protagonisten in einem Liebesroman anziehend macht, würde ihn vielleicht in einem Thriller zur Fehlbesetzung machen. Romane sind ein kleiner Urlaub, eine Auszeit, die nur uns und dem Helden gehört, mit dem wir mitfiebern, mitleiden, lachen und zittern wollen.

Helden müssen Macken, Schwächen, Kanten haben. Auf Hochglanz poliert, glattgebügelt, fehlerfrei, allwissend und allkönnend – langweilig! Das ist wie ein ganzer Roman nur Friede, Freude und Eierkuchen. Wir brauchen Konflikte – innere wie äußere. Wir brauchen Gegensätze – immerhin ziehen die sich ja bekanntlich an (und mitunter auch gegenseitig aus, jaja).

Ein unrühmliches Beispiel aus meiner eigenen Feder: Ich schuf einen prachtvoll anzusehenden Helden, natürlich ein großer Krieger, dabei allerdings verständnisvoll, einfühlsam und vollkommen hilfsbereit, selbstlos meine Heldin zu retten. Auf Seite 200 konnte ich mein eigenes Schnarchen der Langeweile hören, holte mir fachfrauliche Hilfe und bekam die vernichtende und vollkommen berechtigte Kritik: Der Kerl ist ein langweiliger Frauenversteher. Er braucht eine Kante! Die bekam er. Verständnisvoll und ein augenscheinlicher Frauenversteher blieb er – beharrlich auf der Suche nach Schwachpunkten, bei denen er einhaken und seinen Vorteil abschöpfen kann. Mit Fürsorge versuchte er ab da, meine Heldin zu steuern, damit sie das tat, was er wollte. Und wahrscheinlich kam er sich dabei immer noch sehr selbstlos vor.

Kratzer im Lack, Kante, Charakter – wie auch immer ich es nenne, meine Helden tragen Schatten mit sich herum. Ob sie nun vollkommen überzeugt sind, der beste Liebhaber aller Zeiten zu sein („Es wird dir gefallen.“), ob sie eine Phobie mit sich herumschleppen, in der Vergangenheit Böses durchlebten oder einfach der Welt größter Egoist sind, es formt sie und sorgt für Konfliktpotential und damit Spannung. Ein Held muss auch mal was auf die Nase bekommen. Wenn er lässig und mühelos durch alle Gefahren spaziert, ist das ebenso langweilig wie der oben erwähnte glattgebügelte Hochglanz.

Interessant dazu ist die Leserabstimmung des Empire-Magazines zur besten Filmfigur: Platz 3: Han Solo (charmanter Schurke, auf eigenen Vorteil bedacht, fällt in Liebesdingen und mit dem defekten Antrieb der Falcon oft genug auf die Nase), Platz 2: James Bond (unvergessen Sean Connerys Gesichtsausdruck, nachdem ein Gegner auf einen Schwung bondiger Urinprobe im Gesicht darauf reagierte, als wäre es hochkonzentrierte Salzsäure) und Platz 1: Indiana Jones (schmutzig, verschwitzt, alles bis auf den Ellenbogen tut weh, Angst vor Schlangen, tappt liebenswürdig in Fallen und vertraut den falschen Leuten).

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich mit meinen Helden auf der richtigen Spur bin. Spaß macht es mir allemal, mit ihnen ein wenig die Unterwelt aufzuwischen, ihrem überbordenden Ego gemeine Tiefschläge zu verpassen und natürlich ganz erheblich an ihrem Lack zu kratzen.

P.S. Wer hat jetzt auch Herbert Grönemeyer im Ohr? Wann ist ein Held ein Held? Dadammda …