Aemera – der erste Funken

Button AemeraIn „Aemera“ geht es ja darum, dass ein Funken reicht, um zum kompletten Umsturz zu führen. Ich begleite vier Personen und ihr Umfeld in diesen gewalttätigen Umwälzungen und verfolge durch diese vier Perspektivträger die Revolution, das Blutvergießen und den Versuch einer Neuordnung. Doch es kommt auch zu Machtkämpfen, Intrigen und Interessenskonflikten zwischen denen, die eigentlich Verbündete sein sollten.

Aber hier und jetzt soll es um die übliche Frage gehen: Woher kommen eigentlich Ideen? Woher nimmt ein Autor die Grundlagen für einen Roman oder eine Kurzgeschichte? Keine Denkkappe nötig, Inspirationen umgeben uns, und manchmal macht es einfach Klick.

Autorenkollege Christian Boochs war es in diesem Fall, der mich direkt fragte, wie ich auf „Aemera“, das Setting, den Steampunk-Hintergrund gekommen bin. Da setzte ich mich wirklich hin und spürte bewusst den einzelnen Funken nach. Interessant, das mal von dieser Seite aufzurollen, finde ich.

Begonnen hat „Aemera“ als Idee in meinem Kopf ganz harmlos mit einem schüchternen Gespenst.

Basis ist das, was ich dreimal in der Schule hatte und vor gar nicht allzu langer Zeit mit meinen Nachbarskindern für die Schule paukte: Die Rede ist natürlich von der Französischen Revolution. Ludwig XVI., Robespierre, Marat, Guillotine, Menschenrechte und „Die Revolution frisst ihre Kinder“ inklusive. Dazu kam für mich die BBC2-Miniserie „Filthy Cities“ mit einer Gestanksaufnahme des revolutionären Paris. Plätze, die in Blut schwammen, Leichenberge, derer man kaum Herr wurde.

Doch die Funkengalerie endet nicht mit dem Tod von Ludwig XVI. und seiner Gattin Marie-Antoinette. Ich stolperte über eine WDR-Dokumentation über die sogenannte Dunkelgräfin, eine Frau, die verschleiert und zurückgezogen lebte und angeblich Madame Royale wäre, also die Tochter des hingerichteten Königspaars, die eigentlich an den österreichischen Hof ihrer Großmutter zurückgeschickt worden war. Laut den Verschwörungstheorien war sie aber psychisch zu sehr angeschlagen, als dass man dieses Nervenbündel der Familie hätte antun können. Also wurde sie gegen eine Dienerin vertauscht, die an ihrer Stelle die hohe Dame geben durfte, während sie selbst als Dunkelgräfin ihr Dasein fristete und vor der Welt beschützt wurde. Klarer Fall von á propos: Anastasia. Ja, die Romanovs mischten bei meiner Ideenfindung dann auch noch mit rein.

Dann krümelten langsam Details des Settings, meiner Welt in die Planung. Das Wunderwort Steampunk tauchte auf und wurde erst einmal beiseite geschubst. Zwar habe ich mit Brüderchen an meiner Seite jemanden, der mir begeistert auch das siebte Mal die Innereien einer Dampflok erklärt und mich in Büchern ersticken kann, die eben die technischen Errungenschaften der Industriellen Revolution behandeln, aber … Steampunk? Mir fielen nur Klischees ein: Junge Damen in Lederkorsage, mit Zylinder auf dem Kopf und Schweißerbrille am Gürtel. Und etwa zwanzig Pfund Zahnrädchen in der Hosentasche.

Doch ganz ließ mich das Victorianische Zeitalter von Jack the Ripper, Isambard Kingdom Brunel (britischer Ingenieur und technischer Pionier: Great Eastern, Eisenbahnbrücken und Rundum-Genie), die Bilder rauchgeschwärzter Häuser, nebliger Nebengassen und ähnliches nicht los. Warum also nicht? Zum Inspirationswirrwarr kamen die beiden neueren Sherlock-Holmes-Filme mit Robert Downey jr., die ich irgendwann mal sah, hinzu. Selbst BBC-Serie Time Team und natürlich BBC-Horrible Histories sowie BBC-Victorian Farm steuerten Häppchen bei. Wie konnte ich da widerstehen? Ehrlich? Keine Chance!

Und so bekam „Aemera“ ein rauch- und dampfgeschwängertes Ambiente voller neuer Ingenieursleistungen, einer Hochbahn, einem Zeppelin-Flughafen (wobei das Wort Zeppelin natürlich nicht geht, ich weiß), einem rigiden Regime, Panzern (dampfbetrieben, niedlich) und einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen zumindest schon gleichberechtigt sind, wenngleich die Bevölkerung immer mehr ins Elend abrutscht und selbst jene mit Bildung und aus gutem Hause hungern und frieren.

Uff. Noch Fragen?

Autoren sind langweilig

NotizenWas wir tun: Wir sitzen vor einem Schreibgerät (es gibt viele, die von Hand vorschreiben und später brav abtippen, ich schreibe direkt am PC), starren es mitunter minutenlang an und verfallen dann ins wilde Schreiben. Oder quetschen uns einen Satz raus, starren den dann eine Weile an, löschen ihn, stellen ihn um oder verfluchen ihn stumm. Oder schreiben weiter.

Unterhaltsam werden wir unser Umfeld nur manchmal. Ich bete immer, dass kein armer Abhörer meine Telefonate mit anderen Autor(inn)en anhören muss. Er würde mitunter entsetzt sein oder sich scheckig lachen. Das gleiche gilt für Kontakte per eMail. Abgründe hatte ich ja schon einmal beleuchtet. Nun kommen wir zu den (hoffentlich) witzigeren Dingen:

Auf der Autofahrt überfällt mich heimtückisch ein Dialog. Ich kichere hinter dem Lenkrad und grinse dumm. Und habe weder Diktiergerät (Ich habe eins! Wirklich! Ich weiß nur nicht, wo es sich gerade versteckt! Aber für genau solche Situationen habe ich es gekauft.) noch Notizbuch bei mir. Ja, dumm. Passiert mir auch nicht wieder, versprochen. Während meine beiden Hauptfiguren sich also fröhlich in meinem Kopf unterhalten, das gleiche Gespräch sogar mehrfach von vorne anfangen und dabei jedes Mal noch besser gestalten, bin ich versucht, meine beste Freundin anzurufen. Freisprecheinrichtung ist ja vorhanden, daran scheitert es nicht. Genau, beste Freundin anrufen und ihr den Dialog diktieren! Bis mir dämmert, dass ich kaum über den zweiten Satz hinauskommen werde, weil meine Helden es mir natürlich schwer machen, ohne lautes Gelächter diesen Dialog auszusprechen. Dann bin ich mir ziemlich sicher, dass meine Freundin beim Aufschreiben genau an diesem zweiten Satz scheitern wird. Wahrscheinlich wird sie lachend über ihrem Netbook zusammenbrechen.

Ich bin also brav nach Hause gefahren und dort an den Rechner gestürzt, um diesen verflixten Dialog aus meinem Kopf zu bannen.

Andere Augenblicke, in denen mein Umfeld überzeugt sein musste, dass ich mein letztes bisschen Verstand verloren habe:

Wie geht Geheimtinte? Ich breche mitten im Satz ab und stürme die Küche, um alles Benötigte zusammenzuraffen und in mein Arbeitszimmer zu verschleppen, wo ich hoffentlich ungesehen experimentieren kann. Die Geruchsentwicklung brachte mir natürlich die Frage ein, ob ich etwas auf dem Herd vergessen habe.

Kann jemand mit Handschellen eine Leiter hinaufklettern? Diese Frage war spontan nicht zu beantworten. Ich musste mir ja erst Handschellen bestellen, auf meine geplagte Postzustellerin lauern und dann warten, bis wirklich niemand auf meinen Hof kommen könnte. Dann hangelte ich mich die Leiter hinauf und bekam natürlich sofort Publikum, das aber kopfschüttelnd abzog, nachdem ich peinlich berührt (und mit schmerzenden Handgelenken geplagt) nur ein Wort hervorbrachte: „Recherche!“

Waffenwochenende 2015 Teil 5

Ich bevorzuge in meinen Romanen die Nahkämpfer. Ich bin einfach dichter am Geschehen.

Skyten-Reiterbogen

Doch Bogenschützen können so viel Spaß machen! Meine Heldin Zirys aus „Drakhall“ ist Bogenschützin. Sie leistet im Hintergrund Unterstützungsarbeit, und ihre Perspektive dabei ist sehr reizvoll.

Also kommen wir mal wieder zur Frage, wie rüste ich meinen Helden aus? Drei Möglichkeiten stehen zur Wahl: Langbogen, Kompositbogen und auch die Armbrust.

Der Langbogen besteht aus einem Stück Holz. Optimal dafür die Eibe, bei der Xylem und Kambium (Wachstumsschicht und Holzschicht) miteinander verzahnt sind. Dadurch hat der Langbogen optimale Dehn- und Schnellkräfte. Oftmals so groß wie der Schütze, ist der Langbogen naturgemäß etwas unhandlich. Schnelle Standortwechsel, Benutzung hoch zu Ross – nicht wirklich machbar. Nach der Verwendung muss der Langbogen entspannt werden, die Sehne also ausgehakt werden, da die Fasern des Eibenholzes sonst ermüden und sogar reißen können.

Witziges Detail am Rande: Eiben sind giftig, waren für den englischen Langbogenbau aber unverzichtbar. Also wurden sie auf Friedhöfen gepflanzt, wo sie zum Beispiel Kindern und Weidetieren nicht gefährlich werden konnten. Noch heute sind vor Jahrhunderten aufgegebene Friedhöfe an der auffälligen Häufung von Eiben zu erkennen.

Spannen eines Kompositbogens

Spannen eines Kompositbogens

Der Kompositbogen besteht aus verschiedenen, miteinander verklebten Materialien wie Holz, Sehne, Knochen … Klassisch kennen wir ihn als Reiterbogen. Handlicher als der Langbogen, durch seinen Bau aber mit vergleichbarer Durchschlagskraft ausgestattet.

Im entspannten Zustand sieht der Bogen schon aus, als wäre er gespannt. Klingt komisch? Er ist spiegelverkehrt. Beim Spannen wird diese Form komplett in die andere Richtung gebogen. Dadurch bekommt der Kompositbogen seinen „Wumms“.

Kurz genug, damit der Reiter ihn auf dem Pferd von links nach rechts vom Pferdehals heben konnte, ohne an diesem Hindernis zu scheitern oder auch nur das Pferd zu berühren, bietet der Kompositbogen sich für schnelle Stellungswechsel und bewegliches Schießen an. Auch verträgt der Bogen es, nach dem Einsatz nicht sofort wieder entspannt zu werden. Nachteil: Damals wurde Klebstoff aus einer getrockneten Fischblase gewonnen. Dieser Kleber war nicht wasserfest. Für Steppenvölker also etwas Feines, im verregneten Westeuropa nicht ganz so gut!

Als Letztes bleibt die Armbrust. Sie stellt eine Schießmaschine dar, finde ich. Die Energie wird gespeichert, und durch einen Auslöser (fast wie bei einem Gewehr) der Bolzen abgefeuert. Im Gegensatz zu den beiden anderen Bogenarten, deren Beherrschung jahrelange Ausbildung und regelmäßiges Üben voraussetzte, kann die Benutzung der Armbrust innerhalb weniger Stunden erlernt werden. Spannen, Zielen, Abfeuern.

Schon Richard Löwenherz erlag seinen Verletzungen, nachdem ihn 1199 ein Armbrustbolzen traf, den ein Kind abgefeuert hatte.

 

Waffenwochenende 2015 Teil 4

Ich mache mal weiter mit der Rüstung eines Heldenkriegers. Die Ringbrünne hatten wir ja schon. Unter ihr das Gambeson, das gesteppte Rüstungshemd aus Leinen mit Schurwollfütterung. Manchmal war das Gambeson aber auch alles, was ein Krieger an Rüstung besaß, gerade wenn er nicht zur Kriegerkaste gehörte und eigentlich nur ein kleiner Bauer war, der sich einem Kriegszug anschloss oder anschließen musste. Je nach Geldbeutel gab es aber Ergänzungen.

Lederpanzer

Lederschuppenpanzer, wie er über einem Gambeson getragen wurde. Dazu ein Helm nach dem Vorbild des Gjermundbu-Funds mit Ledermaske

Zum Beispiel den Lederschuppenpanzer. Da Hoftiere wertvoll waren (Milch, Nachwuchs, Fleisch und auch Leder) vermutet man, dass so ein Panzer eher aus dem Leder von Beutetieren wie Rehen, Wildschwein und Hirschen gefertigt wurden. Leichter als die Ringbrünne besitzt ein Lederpanzer eine gewisse Stoßschutzwirkung, ist nicht schneidfest, ermöglicht dem Recken aber eine relative Bewegungsfreiheit.

Je nachdem, was ich als Autorin mit meinem Helden vorhabe (beritten oder zu Fuß unterwegs, stationär auf einer Wehranlage oder beständig auf der Flucht), wähle ich die Rüstung aus. Leichter, mehr Bewegungsfreiheit ist leider gleichbedeutend mit geringerem Schutz. Aber ich muss auch darauf achten, wie viel Geld mein Held in seine Ausrüstung investieren kann. Für alles aus Metall wird ein Schmied benötigt, ein spezialisierter und nicht billiger Fachmann. Gambeson und auch Lederpanzer können dagegen in Heimarbeit entstehen und waren reine Männersache.

Gjermundbu

Zwei Helme nach dem Gjermundbu-Fund-Vorbild, im Nacken vorbildgerecht mit Ringbrünne

Ich liebe diesen Helm, auch wenn sein heute gebräuchlicher Name „Brillenhelm“ mich in einer grob an das europäische Mittelalter angelehnten Welt vor ein Problem stellt. Ich beschreibe ihn häufig als „Augenhelm“. Die auffällige Brille des Helms wird auch Grimme genannt, woher wir unser „grimmig gucken“ beziehen. Wer damals zu Wikingerzeiten grimmig – also durch eine Grimme hindurch – sah, war kriegsbereit.
Auffällig bei diesem Helm sind die Spangen (Metallbänder), die ein Abgleiten einer Feindwaffe bewirken sollen. Weg vom Körper. Die Spitze ist ungewöhnlich, finde ich. Wikingerhelme hatten aus gutem Grund keine Hörner, weil diese einen Ansatzpunkt für eine Feindwaffe abgegeben hätten, sodass im schlimmsten Fall der Helm vom Kopf gerissen worden wäre.
Die Grimme stellte Schutz vor allem für die Augen dar, schränkte aber das Gesichtsfeld ein. Weiterentwicklungen dieses Wikingerprototypenhelms fanden den Kompromiss, nur mit einem Nasalstück für den Schutz von Augen und Gesicht zu sorgen. Solche Helme finden sich dann zum Beispiel bei den Normannen.

Lederhandschuh mit Plattenrüstung

Lederhandschuh mit Plattenrüstung

Wir nannten diesen Handschuh auch liebevoll „das Gürteltier“, denn genau daran hat er uns erinnert. Die mit Lederriemen befestigte Plattenrüstung ist nach Funden in Birka rekonstruiert. Wie das Gürteltier beweist, folgen die Platten der Handbewegung.
Am gleichen Stand entdeckten wir ein Handschuhmodell mit Ringbrünne auf dem Handrücken – schwer! Schwerer als das Gürteltier.

Was bleibt nach? Kohlkopfbilder, Exoten, ein paar Links und das Schwert …

Bis zum nächsten Mal!

Inspirationsfutter für Fantasyautoren

1180 ließ Henry II. von England Dover Castle bauen. Eine Verteidigungsanlage, die gleichzeitig ein Monument der englischen Baukunst sein sollte. Wenn wir heutzutage eine alte Burg(-ruine) sehen, ist sie kahl, nur noch eine leere Hülle. Teppiche, Möbel etc. wurden entweder ausgeräumt oder sind wie Wandputz und Malerei zerfallen. English Heritage hat sich an das Experiment gemacht, auf Basis von Forschungen Dover Castle wieder in jenem Glanz erstrahlen zu lassen, den es zu Lebzeiten Henrys aufgewiesen haben muss.

Perfekt für Fantasyautoren, Detailaufnahmen einer Festung des 12. Jahrhunderts zu sehen, sich inspirieren zu lassen, Inneneinrichtungen zu sehen, wie sie ausgesehen haben mögen. Klasse!

 

Waffenwochenende 2015 Teil 3

Ich gebe zu, das zählt auch irgendwie mit zum Countdown.

Schwert, Wikingeraxt, Streitkolben

Schwert, Wikingeraxt, Streitkolben

Kommen wir zur Axt, der bevorzugten Wikingerwaffe. Warum? So ein Werkzeug hatte man damals immer im Haus: Bäume fällen, Häuser und Schiffe bauen, alle Schreinerarbeiten. Was liegt also näher, als ein vertrautes und verfügbares Gerät auch mit in die Schlacht zu nehmen. Es gab kein stehendes Heer, sondern Mitglieder der Sippe rotteten sich zusammen, sprangen in einen Drachen und machten sich auf den Weg.

Die Kriegsaxt wurde – wie jede Waffe – im Laufe der Zeit Veränderungen unterworfen, durch Aussparungen leichter gemacht, wies unterschiedlich lange Bärte auf (eine sogenannte Bartaxt mit einem langen unteren Schenkel der Klinge eignete sich hervorragend dazu, einen gegnerischen Schild unterzuhaken, nach unten zu reißen und dann den Gegner mit dem Dolch zu erledigen), halbmondförmige Klingen, Doppelköpfe, der menschlichen Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Irgendwie hat sie etwas Barbarisches, was mir als Autorin natürlich gefällt.

Axt im Anflug

Axt im Anflug

Axt im Kohlkopf

Axt im Kohlkopf

Waffenwochenende 2015 Teil 2

Letztes Jahr habe ich mich sehr darum bemüht, die einzelnen Waffen, die wir zum Ausprobieren beisammen hatten, vorzustellen. Und habe von einer lieben Kulturanthropologin natürlich trotzdem eins auf die Finger bekommen, weil sie mehr historische Hintergründe wünschte. Verflixt.

Dieses Jahr habe ich besonders den Wikingermarkt auf der Turmhügelburg ein wenig anders genutzt. Inspiriert auch durch die dortige Waffenvorführung habe ich mein Augenmerk deutlich auch auf Rüstungen gelegt und in Gedanken einen Helden ausstaffiert. Es geht dabei ja nicht nur um einen eindrucksvollen Auftritt, sondern auch darum, wie agil ich zum Beispiel meinen Helden kämpfen lassen will. Welche Art von Waffe er im Getümmel schwingt, ob er beritten ist.

Unterschiedliche Rüstungen besitzen wie die Waffen auch Vor- und Nachteile. Was leicht wappnet, ermöglicht zwar höhere Geschwindigkeit, schützt aber nicht so gut wie eine schwere Panzerung. Und wenn ich mir die „Konservenbüchsen“ späterer Zeiten ansehe, Vollpanzerung mit Topfhelm und sogar Metallschuhen, dann weiß ich, dass mein Held in solcher Ausrüstung keinesfalls ein Gebirge übersteigen oder einen Dauerlauf durch einen Wald hinlegen kann.

Mittelalterstreifen

Ich bin Fantasy-Autorin, und so kann ich mich an realen Vorbildern bedienen und nötigenfalls leichte Abwandlungen vornehmen, die Rüstungen unterschiedlicher Kulturen als Inspiration nutzen. Dafür muss ich leider noch ein wenig mehr recherchieren, und so bleibe ich erst einmal beim Vertrauten: Wikinger!

Wenn die scheinbar wilde Horde von Bord eines Drachenschiffs sprang, um zum Beispiel das Kloster Lindisfarne ein wenig zu überfallen, müssen die Nordkrieger ein wirklich furchterregender Anblick gewesen sein. Einen Beitrag dazu leistete bestimmt ihre Ausrüstung.

Ich fange mal mit dem vermeintlichen Klassiker an: Das Kettenhemd (auch Ringbrünne genannt): Es besteht eben nicht aus Ketten, sondern aus abertausenden kleinen Metallringen. Heutzutage kann jeder die Ringe tütenweise kaufen und sich daraus eine Brünne basteln.

Kettenhemd/Ringbrünne Nahaufnahme

Moderne Replik einer Ringbrünne

Doch zu Zeiten der Wikinger und auch in der theoretischen Ära meiner High-Fantasy-Welten durfte erst jemand Erz schürfen, Holzkohle brennen, Erz schmelzen, das Roheisen verfeinern, endlich einen feinen Draht schmieden, aus diesem Ringe mit kleinen Nietenverschlüssen schmieden, und am Ende dieses langen und teuren Prozesses war erst die eigentliche Herstellung eines Kettenhemdes möglich. Die Brünne war deswegen nicht weit verbreitet. Mit viel Glück konnte ein Stammesoberhaupt sie sich leisten. Ein Mann inmitten einer Schiffsladung Krieger.

Wirkung eines Streitkolbens auf einen armen Kohlkopf

Wirkung eines Streitkolbens auf einen armen Kohlkopf

Hinzu kommt, dass so ein Kettenhemd verflixt schwer ist! Alleine anziehen erscheint kaum möglich, alleine ablegen erfordert nahezu einen Handstand. In Kombination mit einem Gambeson (wollgefütterte, gesteppte Stoff(unter)rüstung kann ein Kettenhemd Pfeile abhalten. Sein großer Vorteil aber besteht darin, dass es Schneidwirkung aufhält.

Doch im Gegensatz zum Vorjahr haben wir dieses Mal festgestellt, dass mein Streitkolben nicht nur sauber mit einer Klinge in den Kohlkopf eintaucht, sondern wirklich Krautsalat aus ihm machte. Diese Wucht könnte ein Kettenhemd nicht abfangen. Über seine Oberfläche würde es ein wenig der Gewalt ableiten, aber schwere Prellungen, Quetschungen und bestimmt auch Knochenbrüche wären trotzdem möglich. Deswegen bezeichne ich Waffentechnik und Rüstungstechnik gerne als ein großes Wettrüsten.

Waffenwochenende 2015 Teil 1

Pfingsten 2015, Wikingermarkt auf der Turmhügelburg zu Lütjenburg, gebrannte Mandeln, Kinder mit Holzschwertern, Aussteller mit Replikwaffen, Lagerleben, ein nachgebautes Wikingerboot und noch so viel mehr. Wie letztes Jahr schon lud Autorenkollegin Merrit zum Waffenwochenende für Autoren – mit Kohlköpfen und Waffen zum Anfassen. Einfach weil Recherche Spaß macht! (Und natürlich finden Autoren immer viele weitere Begründungen, warum sie mal einen Bogen spannen und Pfeile verschießen, unterschiedliche Waffen schwenken und Kohlköpfe schreddern wollen.)

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Hebelwirkung und keine Angst, den Bogen zu zerbrechen, bitte.

Dass ich gerne Kampfszenen schreibe, ist ja kein Geheimnis. Vor Beginn eines Romans mache ich mir Gedanken, wie ich meinen Helden ausrüste, welches seine bevorzugte Waffe sein soll. Auch wenn ich in keine Detailanweisung zum Nachspielen schreibe, sondern mich mehr auf meinen Helden konzentriere denn auf seine Schrittfolge und Armbewegung, finde ich es ungemein hilfreich, unterschiedliche Waffen mal in der Hand gehabt zu haben.

High Fantasy orientiert sich gerne am europäischen Mittelalter, das ein wirklich breites Spektrum bietet: Wikinger, edle Ritter in schimmernder Wehr, schmutzstarrende Städte. Ich habe meine Helden mit Schwertern, Äxten, Streitkolben und Säbeln losgeschickt. Bewaffnung bedingt Rüstung und Kampfstil. Von Kultur zu Kultur kann das unglaublich voneinander abweichen, und auch das zu erkunden und für das Schreiben zu nutzen, macht Spaß und bietet ganz neue Möglichkeiten. Leider ermöglicht so ein Wochenende nur ein Reinschnuppern. Aber wenigstens weiß ich jetzt, was ich noch mehr recherchieren möchte.

Kampfszenen schreiben

StreitkolbenDies wird keine perfekte Anleitung, wie ab sofort jeder die absolut mitreißende, umwerfende und turbotolle Kampfszene schreiben kann. Aber ich habe nun von mehreren Seiten gehört, dass das Schreiben dieser Szenen schwer fällt – und dass meine Kampfszenen gefallen. Dankeschön!

Ich schreibe Heroic Romantic Fantasy – „Schmachten & Schlachten“, und natürlich dürfen da Kampfszenen nicht zu kurz kommen, präsentieren sie doch den Helden im martialischen Leuchten eines entfesselten Kriegsgotts. Mein Setting ist also ganz grob dem europäischen Mittelalter vergleichbar. Waffen und Rüstungen müssen nicht immer aus dieser Epoche und Region kommen. Meine Jungs arbeiten mit Axt (Zweihandaxt, die es so nur in der Fantasy gibt), Schwert, Säbel, Streitkolben, Klingenstab, Dolch und notfalls auch Stilett. Sie sind unterschiedlich gerüstet, wobei nur der Wikinger-Grimmenhelm (Brillenhelm) meistens auftaucht.

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Heißer Tip: Guédelon

Tor SpöttrupIch habe mit ihnen das Leben auf einem Bauernhof während der Tudor-Zeit, mitten im Victorianischen und Edwardischen Zeitalter ebenso „miterlebt“ wie auf einer Farm während des Zweiten Weltkriegs. Geschichtswissenschaftlerin Ruth Goodman und die Archäologen Peter Ginn, Alex Langlands und neu im Team Tom Pinfold unternehmen vor den laufenden Kameras von BBC jeweils eine Zeitreise. Liebevoll aufbereitete experimentelle Archäologie.

Kleidung, Wohnen, Kochen, Vorratshaltung, Handwerk, Umgang mit Tieren, Landwirtschaft und nebenbei immer ein wenig Hintergrund und nette Kleinigkeiten. Perfekte Mischung für mich.

Aber jetzt kommt der Hammer: Guédelon!

Wir bauen eine Burg! Das BBC-Team beleuchtet dabei nicht nur Arbeitsschritte, unterschiedliche Handwerke, Bauweise und Werkzeuge, sondern auch das Leben der Bauarbeiter, Unterbringung, Ernährung und praktische Versuche. HIER geht es zur ausführlichen BBC-Seite über diese neue Serie.

Wer wie ich Fantasy im groben Mittelaltersetting schreibt, kann nur jubeln. Alle anderen werden diese kleine, fünfteilige Serie hoffentlich ebenso begeistert verschlingen wie ich.