Bloginterview

Die wundervolle Tina Alba hat mir durch ein Blogspiel 11 Fragen gestellt, die ich nun gerne beantworte. Vielen Dank für deine Fragen, Tina.

Wie läuft es ab?
Als Dankeschön den Tagger verlinken.
11 Fragen vom Tagger beantworten.
Sich selbst 11 Fragen ausdenken.
5 Blogger taggen, die unter 200 Follower haben, und es ihnen mitteilen.

Tinas Fragen an mich:

1. Was magst du am Schreiben am liebsten?

Schreiben hat für mich schon immer als Ausgleich funktioniert. Ich tauche in die Welten meiner Figuren ein und fühle mich dort als Chronist. Da ich stets nur sehr grob plotte (was man so „Plotten“ nennt: Ich kenne meine Figuren, Ausgangssituation und das Ende. In der Mitte sind wallende Nebel, die es zu erkunden gilt), ist jede Geschichte für mich eine Forschungsreise voller Überraschungen.

Ich leide und lache mit meinen Helden, und mitunter amüsiere ich mich auch königlich über sie. Nicht umsonst sind gerade die Protagonisten meiner Heroics Figuren mit Licht- und Schattenseiten und menschlicher Makel.

Recherche! Ich liebe Recherche. Ob ich nun durch den rekonstruierten Siedlungsausschnitt der Wikingerstadt Haithabu strolche oder mit Geheimtinten experimentiere, bis mein Arbeitszimmer nach verbrannter Milch stinkt, ich bin neugierig und freue mich, wenn ich erworbenes Wissen versteckt und realistisch anbringen kann. Wie eng es zwischen zwei Wikingerhäusern war, wie dicht die Bewohner eines Hauses zusammenlebten. Ich besitze Schaukampfwaffen, habe für meine Agentenromane aus früheren Zeiten Schießen gelernt und für meinen KielKrimi unter der Moderne nach der mittelalterlichen Stadt gesucht. Ich behaupte gerne, dass ein Leser Recherchevorarbeit merkt, dass diese vergnügliche Arbeit der Geschichte mehr Leben einhaucht.

Das Schönste am Schreiben? Wenn es richtig läuft, ich nur noch wie besessen tippe, um den Anschluss an mein Heldenduo nicht zu verpassen. Dialoge, bissige Seitenbemerkungen. Oh, und Kampfszenen, die mein (un-)heimliches Faible sind.

2. Woher nimmst du deine Ideen, was inspiriert dich?

Wenn ich das so genau wüsste. Mitunter ist es ein Bild, eine Bewegung oder ein Gesichtsausdruck zum Beispiel in einem Film. Ideen tauchen mitunter sehr unvermittelt und vor allem unerwartet auf, ohne dass ich sicher weiß, was der Auslöser dafür gewesen sein mag.

3. Welche deiner eigenen Figuren magst du am wenigsten? Warum?

Am Ende des Romans mag ich meine Figuren. Aber Rilan – Gegenspielerin und später Gefährtin von Kenna – mochte ich am Anfang des Romans überhaupt nicht. Das lag nicht zuletzt daran, dass ich beim Schreiben Charakterinkonsequenzen eingebaut habe. Doch selbst nach drei Überarbeitungen ist Rilan die Figur, die mir in der ersten Romanhälfte zwar vollkommen verständlich, aber nicht wirklich sympathisch ist.

4. An welchem Ort würdest du gern ein Buch schreiben?

Wo ich sitzen und schreiben möchte? Oder wo die Geschichte spielen soll? Ich entscheide mich für den Sitzplatz! Ich habe schon an ungewöhnlichen Orten geschrieben, nicht nur an meinem Schreibtisch. Bei Autorentreffen, in einem irischen Pub, während Wartezeiten im Auto (das ist enger, als ich vermutete, ich musste auf den Beifahrersitz wechseln, damit mein uralter Laptop mir nicht die Luft abdrückte). Wann und wo ich schreiben möchte: in einem Ferienhaus auf der dänischen Insel Römö im November, wenn das Wetter draußen so grottig ist, dass ich mich nicht hinauswage und brav schreibe.

5. In welchem Genre bewegst du dich am liebsten, um welches machst du einen Bogen? Warum?

Das betrifft Lesen und Schreiben, habe ich beim lauten Grübeln gerade gemerkt. Ich schreibe Fantasy, dort beackere ich derzeit das Untergenre Heroic Romance. Klingt unvereinbar, ist es aber nicht. „Schmachten und Schlachten“ nenne ich meine Art der Romane gerne. Ich habe große Kampfszenen (und nein, ein Schwertkampf dauert nicht ein paar Stunden, bis ein Gegner langsam ermüdet. Noch einmal nein, mit einem Schwert des europäischen Mittelalters kann man kein Seidentuch in der Luft zerschneiden. Laut Brüderchen auch nicht mit einem Katana. Ja, meine Pferde müssen als Models und mitunter auch als Textobjekte herhalten, das Thema Recherche meldet sich da erneut), kleine Scharmützel, Rüstungen, Waffen und einen Helden, der das irgendwie überleben muss. Doch wie ein rotes Seidenband zieht sich die Romanze durch den Roman.

Einen Bogen und warum? Gemeine Frage! Ich mag ChickLit nicht, ich mag keine Fickbücher, auch mit Psychothrillern bin ich eher weniger leicht hinter dem Ofen hervorlockbar. Ich mag feinen Humor wie von Georgette Heyer oder Terry Pratchett, keine brachialen Storys, und Sexszenen öden mich einfach nur an. Oder tragen zu meiner Erheiterung bei.

Unabhängig vom Genre: Grundsätzlich mag ich Ich-Erzählerinnen nicht so gerne (bei Ich-Erzählern hält meine Abneigung sich in Grenzen), da ich den toxischen Cocktail aus Dummheit, dämlicher Tapferkeit und Hormonen nicht ertrage.

6. Gibt es das für dich – das berühmte Buch, das dein Leben verändert hat?

Verändert hat es mein Leben nicht in dem Ausmaß, dass jeder es merkt und Oh und Ah schreit. Aber es hat mein Schreiben verändert und mir einen deutlichen Ansporn gesetzt. Mein erster Kontakt mit Georgette Heyer: Der Page und die Herzogin. Mittlerweile füllt das Werk dieser wundervollen Autorin anderthalb Bücherborde in meinem Arbeitszimmer.

Georgette schreibt wundervoll und wundervoll korrekt (was ich in der englischen Ausgabe bewundern kann). Aber es sind die Details, ihre Figuren, die sie so deutlich lieb hat. Und – kniet nieder, es ist zu toll – ihre Dialoge! Geschliffener Humor mit Augenzwinkern, Niveau und viel zwischen den Zeilen. Wortgefechte zwischen Liebenden und Feinden. Nicht ein Wort zu viel und doch einfach wundervoll.

7. Denk mal zurück – was war dein liebstes Kinderbuch?

Rasmus und der Landstreicher, Astrid Lindgren. So einfühlsam und liebevoll – und ein wunderschönes Ende ohne jeglichen Egoismus.

8. Welches Buch war für dich das Ungewöhnlichste, das du je gelesen hast?

Uff, Tina, hast Du auch mal leichtere Fragen? Umberto Eco: „Der Name der Rose“. Weil Eco bis zum Abwinken beschreibt und unendlich lange Sätze macht. Weil ich Sean Connerys Stimme im Ohr habe, wenn William of Baskerville den Mund aufmacht (und weil Sir Sean nicht „Writers“, sondern „Scriveners“ sagt, weil er ein Turbo-Schotte ist). Warum noch? Eco schweift ab, tummelt sich auf (scheinbaren) Nebenplätzen und führt den Leser durch enge Gassen, in denen wir unsere eigenen Atemzüge als Echo vernehmen. Und: Er beschreibt echtes Mittelalter, schmutzig, abergläubisch und furchterregend.

9. Mit welcher deiner eigenen Figuren kannst du dich am besten identifizieren?

Wirklich identifizieren? Mit keiner, hätte ich fast geschrieben. Stimmt nicht. Mit Horry! Horatia Dabelstein aus einem „heiteren Krimi“ mit 13 Huskys, einem Siamesen und einem entzückenden Buchantiquar.

10. Hast du ein Lieblingsprojekt? Welches? Warum?

Alle, die mich kennen, sprechen mit: Cajan!

Von all meinen Heroen ist Cajan der einzige, mit dem ich mir ein Zusammenleben vorstellen könnte. Ihn würde ich nicht am Morgen nach der ersten Nacht (spätestens!) mit dem Kopfkissen ersticken wollen. Er hat Seele und Tiefgang, und ich mag sein Lächeln.

11. Dein Rat an jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Ganz viel lesen, ganz viel schreiben. Nur was geschrieben ist, kann auch überarbeitet werden. Noch sehr viel mehr lesen, vor allen in dem Genre, in dem man sich selbst bewegen möchte. Es gibt Genrekonventionen, und nur wenn man sie kennt, kann man sie auch richtig anwenden oder auf den Kopf stellen. Noch mehr lesen! Den Rat anderer suchen und aus dem stillen Kämmerchen kommen. Von sich selbst kann man nichts lernen. Rückmeldungen ernst nehmen. Nicht jede Rückmeldung ist das Ei des Kolumbus und muss sklavisch umgesetzt werden, aber es gibt einen Grund, warum diese Rückmeldung erfolgt ist.

Irgendwo habe ich gelesen, dass man den ersten Roman wegschmeißen soll. Wohl nicht in diesem Zusammenhang, mein Oheim sagt gerne grinsend zu mir, dass Eltern ihr erstes Kind wegschmeißen sollen (weil sie bei dem alles falsch gemacht haben, was nur möglich ist). Danke, ich bin die Erstgeborene, Danke, Mama, für das Nicht-Wegschmeißen!

Aber in Bezug auf Romane stimme ich zu und gehe sogar noch weiter, wenn ich mir die zahlreichen Erzeugnisse meiner Phantasie und diverser Schreibprogramme so ansehe. Meinen allerersten Roman habe ich 20 Jahre später neu geschrieben. Jetzt kann ich mit ihm leben. Zufriedenheit mit einem Werk kenne ich nicht. Zufriedenheit bedeutet für mich Stillstand.

Und ganz wichtig: Geduld! Nicht mit dem ersten Entwurf auf Erfolgsjagd gehen. Zeit lassen, um die Geschichten und auch die eigenen Fähigkeiten reifen zu lassen. Lernen, Üben, Lesen, Schreiben, Leben, Reifen.

Und dieses Spielchen geht weiter! Meine Frageopfer:
Sabrina Siltala
Yalda Lewin
Sarah König
Annika Dick
Pinkes Plüschsofa

Und meine Fragen:
1. Was schreibst Du gerade?
2. Was wünscht Du Dir von Deinen Betalesern?
3. Hattest Du das schon einmal, dass ein Projekt eine Kragenweite zu groß für Dich war? Bewahrst Du die Idee auf und versuchst es später noch einmal?
4. Hast Du Schreibrituale? Kerzen, Kekse und Musik?
5. Gibt es ein Kinderbuch, das Dich verstört oder in sonst einer Art negativ berührt zurückgelassen hat?
6. Was war Dein letztes schreiberisches Erfolgserlebnis?
7. Wenn Du mit einer Deiner Figuren einen Tag lang tauschen könntest – wer wäre das? Und warum?
8. Gibt es ein Buch, das Dein Schreiben verändert oder beeinflusst hat? Oder gar ausgelöst hat?
9. In welchem Genre schreibst Du am liebsten? Warum?
10. Hast Du ein Rezept gegen Schreibkrisen und Plotlöcher?
11. Auch Dir möchte ich Tinas Abschlussfrage stellen: Dein Rat an jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Viel Spaß!